Das Projekt

Wanna have love?!
„Wanna have love!?“

Auswirkungen des Sextourismus

Auf den Philippinen boomt das Geschäft mit dem Sex: Beflügelt durch billige Flugtickets sind die Philippinen bei Sextouristen zu einem beliebten Reiseziel geworden. Dabei kümmern sich die Urlauber aus Europa, Australien und den USA wenig um das, was von ihrem Aufenthalt in der streng katholischen Gegend, in dem bis vor kurzem noch jede Art der Verhütung gesetzlich verboten war, zurückbleibt: Ein Land, welches an vielen Stellen mit den Auswirkungen des Sextourismus zu kämpfen hat.

Tausende Kinder wachsen ohne ihre Väter in einem Land auf, in dem westliches Aussehen gleichbedeutend ist mit dem Job der Mutter als Prostituierte, ganz gleich, welcher Arbeit sie wirklich nachgeht. Auf den Philippinen, wo es gefühlt keine Zuwanderung gibt, passen diese Kinder, mit ihren blonden Haaren oder blauen Augen, nicht ins Bild. Sie wirken fremd und haben mit Beleidigungen und Stigmatisierungen zu kämpfen, während sie selbst oft ein ganzes Leben lang auf der Suche nach der eigenen Identität sind – meist ohne Chance, ihren Vater, der fast unerreichbar in einer anderen Welt zu leben scheint, tatsächlich kennenzulernen.

Zudem bleiben Generationen von Mädchen zurück, deren Kindheit durch erzwungene Sexhandlungen genommen wurde. Ein paar von ihnen finden bei der Hilfsorganisation Preda in Olongapo ein neues, vorübergehendes Zuhause. Einige von ihnen haben jahrelang in Bars gearbeitet, andere wurden sogar von der eigenen Familie stundenweise an westliche Freier verkauft. Hier nehmen sie an Therapiesitzungen teil, um das erlebte verarbeiten zu können. „Im Krieg werden Familien auseinander gerissen und Opfer beklagt. Die Sexindustrie ist Krieg. Wir haben Opfer – viele Opfer“, sagt der irische Pater Shay Cullen, Gründer der Preda-Foundation.

Unser Buch zeigt die Auswirkungen des Sextourismus auf die philippinischen Kinder, die in einem Land leben, in dem Prostitution offiziell verboten und weitestgehend geächtet ist, aber dessen Tourismus zum überwiegenden Teil aus Sextouristen besteht. Wir haben Kinder besucht, die uns erzählt haben, wie sie ausgegrenzt oder beschimpft werden. Sie haben uns von ihren Träumen und Wünschen erzählt und egal ob ihr Vater die Mutter für ein paar Wochen oder nur eine Nacht aus der Bar ausgelöst hat oder sie sogar heiratete, sie sind alle gleich: Sie träumen von einem Familienleben mit ihrem Vater, sie wünschen sich, dass ihr Vater akzeptiert das er ihr Papa ist und sehnen sich danach, ihn und diese andere Welt, die sie nur im Fernsehen und Internet sehen, kennen zu lernen.

Und wir haben Mädchen getroffen, für die sexuelle Handlungen mit erwachsenen Europäern, Amerikanern und Australiern jahrelang an der Tagesordnung waren und die mitbekommen, wie ihre Peiniger häufig straffrei davon kommen. Einige von ihnen lernen im Schutzhaus einen geregelten Tagesablauf erst kennenlernen, andere fühlen sich das erste Mal sicher vor der eigenen Familie.